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Was sind Cannabinoide? Grundlagen, Wirkung und medizinische Bedeutung

11 Min. Lesezeit
Cannabisextrakte und Laborpersonal in einer Schweizer Einrichtung, das Cannabinoide für medizinische Anwendungen untersucht

Cannabinoide stehen im Zentrum der modernen Cannabis-Medizin und spielen eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von chronischen Schmerzen, Spastik, Appetitlosigkeit und bestimmten neurologischen Erkrankungen. Um Chancen und Grenzen einer Cannabinoid-Therapie realistisch einschätzen zu können, ist ein vertieftes Verständnis dieser Stoffgruppe und des Endocannabinoid-Systems notwendig. Diese Seite bietet einen strukturierten, wissenschaftlich fundierten Überblick mit besonderem Fokus auf die Situation in der Schweiz.

Einführung in Cannabinoide

Cannabinoide sind eine vielfältige Gruppe von chemischen Verbindungen, die in der Hanfpflanze (Cannabis sativa) vorkommen und mit dem menschlichen Endocannabinoid-System interagieren. Sie spielen eine entscheidende Rolle in der Forschung zur Therapie von Schmerzen, Entzündungen und anderen medizinischen Bedingungen. Der bekannteste Vertreter dieser Gruppe ist das Tetrahydrocannabinol (THC), das für seine psychoaktive Wirkung bekannt ist. Diese Substanzen interagieren mit Cannabinoid-Rezeptoren im Körper und modulieren verschiedene physiologische Prozesse.

Cannabinoide lassen sich nicht nur in der Cannabispflanze nachweisen, sondern teilweise auch in anderen Pflanzen sowie als körpereigene Botenstoffe im Menschen. Aus medizinischer Sicht ist besonders relevant, dass viele dieser Verbindungen gezielt bestimmte Rezeptoren ansteuern und dadurch vergleichsweise spezifische Effekte auslösen. Dies eröffnet die Möglichkeit, Therapien bei chronischen Erkrankungen individueller zu gestalten, zum Beispiel in der Schmerzmedizin, Neurologie oder Palliativmedizin. Gleichzeitig erfordert der Einsatz eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung, eine klare Indikationsstellung und die Berücksichtigung des rechtlichen Rahmens, insbesondere in der Schweiz.

Die Bedeutung des Endocannabinoid-Systems

Das Endocannabinoid-System besteht aus körpereigenen Cannabinoiden, den sogenannten Endocannabinoiden, und spezifischen Rezeptoren wie CB1 und CB2. Diese Rezeptoren sind im gesamten Nervensystem und in Immunzellen verteilt. Endocannabinoide wie Anandamid und 2-Arachidonylglycerol spielen eine wesentliche Rolle bei der Regulierung von Schmerz, Appetit und Stimmung. Phytocannabinoide können auf diese Rezeptoren wirken, was sie für therapeutische Zwecke in der Medizin von Interesse macht, insbesondere in Bezug auf chronische Schmerzbehandlungen.

Darüber hinaus beeinflusst das Endocannabinoid-System auch Schlaf, Stressreaktion, Übelkeit, Bewegungsabläufe und das Immunsystem. Man spricht häufig von einem „homöostatischen System“, weil es hilft, innere Gleichgewichte zu stabilisieren. Wird dieses System gestört, etwa durch chronischen Stress, Erkrankungen oder genetische Faktoren, kann dies zu Symptomen wie anhaltenden Schmerzen oder Schlafstörungen beitragen. Die gezielte Einnahme von Cannabinoiden versucht, dieses System zu modulieren und so Beschwerden zu lindern. In der klinischen Praxis in der Schweiz erfolgt dies meist schrittweise und unter ärztlicher Kontrolle, um herauszufinden, welche Dosierung und welche Cannabinoid-Kombination (zum Beispiel THC-dominant, CBD-dominant oder ausgewogene Präparate) individuell am besten verträglich und wirksam ist.

Arten von Cannabinoiden

Cannabinoide werden in drei Hauptkategorien eingeteilt: Phytocannabinoide, Endocannabinoide und synthetische Cannabinoide. Phytocannabinoide stammen direkt von der Cannabispflanze und bisher sind über 100 verschiedene identifiziert worden. Endocannabinoide werden vom menschlichen Körper produziert und synthetische Cannabinoide werden im Labor erzeugt, um die Aktivitäten natürlicher Cannabinoide zu imitieren oder zu blockieren. Jede Klasse von Cannabinoiden hat einzigartige Eigenschaften und mögliche therapeutische Anwendungen.

In der Praxis spielen Phytocannabinoide derzeit die grösste Rolle, insbesondere THC und CBD, aber auch weitere Substanzen wie CBG (Cannabigerol) oder CBN (Cannabinol) werden zunehmend erforscht. Endocannabinoide werden im Körper sehr rasch abgebaut und eignen sich daher weniger direkt als Medikament, liefern aber wertvolle Hinweise für die Entwicklung neuer Therapieansätze. Synthetische Cannabinoide kommen vor allem in der Forschung und in einzelnen zugelassenen Arzneimitteln zum Einsatz, beispielsweise wenn eine sehr definierte Dosis oder eine bestimmte Wirkweise benötigt wird. Für Patientinnen und Patienten in der Schweiz ist vor allem relevant, dass die verfügbaren Präparate klar deklariert sind, kontrolliert hergestellt werden und hinsichtlich THC- und CBD-Gehalt transparent sind, damit eine sichere Anwendung möglich ist.

Phytocannabinoide: THC und CBD

Unter den Phytocannabinoiden sind THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) die am besten erforschten. THC ist für seine berauschenden Effekte bekannt, während CBD keine psychoaktiven Eigenschaften besitzt und vielfach zur Linderung von Entzündungen, Schmerzen und bestimmten Epilepsieformen eingesetzt wird. Diese Verbindungen werden hauptsächlich durch Cannabisaufbereitungsmethoden wie Extraktionen gewonnen und in verschiedenen therapeutischen Anwendungen weltweit eingesetzt.

  • THC: Primär psychoaktiv, wirkt auf CB1-Rezeptoren und beeinflusst das Nervensystem.
  • CBD: Entzündungshemmend, wirkt nicht psychoaktiv und hat potenzielle anti-epileptische Eigenschaften.

THC bindet bevorzugt an CB1-Rezeptoren im zentralen Nervensystem und kann dadurch die Schmerzwahrnehmung, das Zeitempfinden, die Stimmung und das Kurzzeitgedächtnis beeinflussen. In der Medizin wird dieser Effekt genutzt, um beispielsweise therapieresistente Schmerzen, Muskelspastik bei neurologischen Erkrankungen oder ausgeprägte Übelkeit nach Chemotherapie zu lindern. CBD interagiert komplexer mit verschiedenen Rezeptorsystemen und wird unter anderem wegen seiner beruhigenden, entzündungshemmenden und krampflösenden Eigenschaften erforscht. In der Schweiz kommen in der Praxis häufig Kombinationen aus THC und CBD zum Einsatz, da CBD bestimmte unerwünschte THC-Effekte abmildern kann. Für Patientinnen und Patienten ist wichtig, dass Einstieg und Dosisanpassung langsam und unter ärztlicher Begleitung erfolgen, damit sowohl Wirksamkeit als auch Verträglichkeit sorgfältig beurteilt werden können.

Weitere relevante Phytocannabinoide

Nebst THC und CBD rücken weitere Phytocannabinoide wie CBG (Cannabigerol), CBC (Cannabichromen) oder CBN (Cannabinol) zunehmend in den Fokus der Forschung. CBG wird unter anderem hinsichtlich möglicher entzündungshemmender und neuroprotektiver Effekte untersucht, während CBN insbesondere in Bezug auf Schlaf und Sedation diskutiert wird. Aktuell liegen für diese Substanzen jedoch deutlich weniger klinische Daten vor als für THC und CBD. In der Schweiz werden sie vornehmlich im Rahmen von Vollspektrum-Extrakten mitverabreicht und selten als isolierte Wirkstoffe eingesetzt. Die genaue Rolle dieser „Minor-Cannabinoide“ für zukünftige Therapiekonzepte wird derzeit in internationalen Studien vertieft analysiert.

Endocannabinoide: Die körpereigenen Botenstoffe

Endocannabinoide sind natürliche Bestandteile des menschlichen Körpers und spielen eine Schlüsselrolle im Endocannabinoid-System. Zu den wichtigsten Endocannabinoiden gehören Anandamid und 2-Arachidonylglycerol. Diese Botenstoffe sind entscheidend für die Regulierung von Schmerz, Appetit und Stimmung und können durch die Wirkung von Phytocannabinoiden beeinflusst werden. Die Forschung auf diesem Gebiet zielt darauf ab, das volle therapeutische Potenzial dieser Substanzen zur Behandlung von Krankheiten wie Angstzuständen und neurologischen Störungen zu nutzen.

Im Gegensatz zu klassischen Hormonen werden Endocannabinoide meist „on demand“, also bei Bedarf, produziert und nach dem Andocken an die Rezeptoren rasch wieder abgebaut. Dies ermöglicht eine sehr fein abgestimmte Regulierung. Wird dieser Abbau beispielsweise gehemmt, bleiben Endocannabinoide länger aktiv, was therapeutisch genutzt werden könnte. Erste Studien untersuchen, ob Störungen im Endocannabinoid-Haushalt an chronischen Schmerzzuständen, Migräne oder Reizdarmsyndrom beteiligt sind. Für Betroffene kann das erklären, weshalb Standardtherapien manchmal unzureichend wirken und warum eine Cannabinoid-Therapie ergänzend in Betracht gezogen wird. In der klinischen Realität in der Schweiz fliessen solche Erkenntnisse schrittweise in Leitlinien und ärztliche Entscheidungsprozesse ein, wobei immer das individuelle Beschwerdebild, Begleiterkrankungen und gleichzeitig eingenommene Medikamente berücksichtigt werden.

Synthetische Cannabinoide: Forschung und Anwendungen

Synthetische Cannabinoide sind im Labor entwickelte Verbindungen, die entweder die Wirkung natürlicher Cannabinoide nachahmen oder antagonistisch wirken. Diese Verbindungen sind wertvolle Werkzeuge in der Forschung zur Erforschung von Cannabinoid-Rezeptoren und der Rolle des Endocannabinoid-Systems bei verschiedenen physiologischen Prozessen. Einige synthetische Cannabinoide sind in bestimmten Ländern für medizinische Anwendungen zugelassen, um Patienten mit Übelkeit infolge von Chemotherapie oder anderen therapieresistenten Bedingungen zu behandeln.

In der medizinischen Anwendung werden einzelne synthetische Cannabinoide als streng standardisierte Arzneimittel eingesetzt, zum Beispiel in Form von Dronabinol oder Nabilon. Sie ermöglichen eine sehr genaue Dosierung des Wirkstoffs, was insbesondere in Studien und bei klar definierten Indikationen hilfreich ist. Gleichzeitig unterscheidet sich ihr Wirkprofil teilweise von pflanzlichen Vollspektrum-Extrakten, in denen mehrere Cannabinoide und Terpene zusammenwirken. In der Schweiz ist der Einsatz synthetischer Cannabinoide vor allem bei komplexen onkologischen Situationen und schweren chronischen Schmerzen relevant, wenn andere Therapien ausgeschöpft sind. Ärztinnen und Ärzte prüfen sorgfältig, ob ein synthetisches Präparat oder ein pflanzlicher Extrakt besser geeignet ist, wobei Faktoren wie Wirkbeginn, Einnahmeform, Interaktionen und individuelle Präferenz der Patientinnen und Patienten eine Rolle spielen.

Rechtlicher Rahmen für Cannabinoide in der Schweiz

Die rechtliche Lage von Cannabinoiden in der Schweiz ist stark reguliert. Seit 2011 ist der Anbau von Cannabis mit einem THC-Gehalt von bis zu 1 % gestattet, was medizinischen Forschern und Patienten mehr Flexibilität bietet. Für die Verschreibung von dronabinolhaltigen Präparaten muss eine Ausnahmegenehmigung beim Bundesamt für Gesundheit beantragt werden. Trotz strenger Vorschriften steigen die Anwendungen von Cannabinoiden in der medizinischen Praxis, insbesondere bei der Behandlung von Schmerzen und chronischen Krankheiten.

Mit der schrittweisen Liberalisierung im Bereich des medizinischen Cannabis wurden zusätzliche Möglichkeiten geschaffen, ärztlich überwachte Therapien durchzuführen. Ärztinnen und Ärzte müssen dabei die geltenden Betäubungsmittelbestimmungen, die Deklarationspflichten und die Dokumentation besonders sorgfältig beachten. Für Patientinnen und Patienten ist wichtig zu wissen, dass der freie Kauf THC-haltiger Produkte mit berauschender Wirkung weiterhin nicht erlaubt ist und medizinische Präparate in der Regel verschreibungspflichtig sind. CBD-Produkte mit weniger als 1 % THC fallen hingegen, je nach Produktkategorie, unter andere gesetzliche Regelungen. Der rechtliche Rahmen entwickelt sich dynamisch weiter; aktuelle Informationen erhalten Betroffene meist über ihre behandelnde Fachperson, Apotheken oder spezialisierte Informationsportale mit Fokus auf die Schweiz.

Orientierung im Schweizer Versorgungssystem

Wer eine Cannabinoid-Therapie in der Schweiz in Erwägung zieht, steht oft vor praktischen Fragen: Welche Ärztinnen und Ärzte haben Erfahrung mit medizinischem Cannabis? Welche Präparate sind verfügbar und wie erfolgt die Abgabe in Apotheken? Wie laufen Bewilligungen und Kostenübernahmen im Einzelfall ab? Strukturierte Informationsangebote können hier helfen, gemeinsam mit der behandelnden Fachperson eine fundierte Entscheidung zu treffen und den Behandlungsweg realistisch zu planen.

Anwendungsgebiete und medizinische Chancen

Cannabinoide bieten ein breites Spektrum an potenziellen therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten. Besonders bei der Behandlung von Schmerzen, Spastizität, Appetitlosigkeit und bestimmten Epilepsieformen wurden positive Effekte beobachtet. Auch im Bereich der Krebsbehandlung, insbesondere zur Linderung der Nebenwirkungen von Chemotherapie, sind sie hilfreich. Die Zukunft der Cannabinoid-Therapie sieht vielversprechend aus, mit laufenden Studien, die neue Wege der Behandlung beleuchten, die mit konventionellen Medikamenten nicht möglich wären.

In der Schweiz werden Cannabinoid-Therapien überwiegend als Zusatz zu bestehenden Behandlungen eingesetzt, nicht als alleinige Massnahme. Typische Einsatzgebiete sind chronische neuropathische Schmerzen, Muskelspastik bei Multipler Sklerose, Appetitverlust und Übelkeit im Rahmen onkologischer Therapien sowie bestimmte schwere Epilepsieformen, bei denen konventionelle Medikamente unzureichend wirken. Dabei steht nicht nur die reine Schmerzlinderung im Vordergrund, sondern auch eine Verbesserung der Lebensqualität, etwa durch besseren Schlaf, weniger Übelkeit oder mehr Alltagsfunktion. Die Therapieziele werden idealerweise gemeinsam zwischen Patientin oder Patient und der behandelnden Fachperson festgelegt, regelmässig überprüft und bei Bedarf angepasst.

Praktische Aspekte der Anwendung von Cannabinoiden

Für den Behandlungserfolg spielt die konkrete Anwendungsform eine zentrale Rolle. In der medizinischen Praxis kommen vor allem oral einzunehmende Öle oder Tropfen, Kapseln sowie in bestimmten Situationen Inhalationslösungen zum Einsatz. Orale Präparate haben meist einen langsameren Wirkungseintritt, dafür eine längere Wirkungsdauer und eignen sich für eine kontinuierliche Basistherapie. Inhalationslösungen wirken schneller, werden aber vor allem dort eingesetzt, wo ein rascher Wirkeintritt gewünscht ist und die Indikation dies rechtfertigt.

Die Dosierung erfolgt in der Regel nach dem Prinzip „start low, go slow“: Es wird mit einer sehr niedrigen Dosis begonnen, die schrittweise gesteigert wird, bis sich ein günstiges Verhältnis von Wirkung und Verträglichkeit zeigt. Besonders bei THC-haltigen Präparaten ist eine enge ärztliche Begleitung wichtig, um unerwünschte Effekte früh zu erkennen. Zudem müssen mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln berücksichtigt werden. In der Schweiz unterstützen spezialisierte Apotheken und ärztliche Fachpersonen die Auswahl geeigneter Präparate und beraten zur korrekten Einnahme, Aufbewahrung und zu alltagsrelevanten Fragen wie Fahrtauglichkeit oder Arbeitssicherheit.

Sicherheit, Verträglichkeit und Monitoring

Wie bei jeder pharmakologischen Therapie ist auch bei Cannabinoiden eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung notwendig. Häufig berichtete unerwünschte Wirkungen bei THC-haltigen Präparaten umfassen unter anderem Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit oder Veränderungen der Wahrnehmung. CBD wird in der Regel besser vertragen, kann jedoch ebenfalls Müdigkeit oder gastrointestinale Beschwerden auslösen. Das individuelle Risiko hängt von Dosis, Cannabinoid-Zusammensetzung, Verabreichungsform sowie von Begleiterkrankungen und gleichzeitig eingenommenen Medikamenten ab.

In der ärztlichen Praxis in der Schweiz werden deshalb vor Therapiebeginn eine ausführliche Anamnese und, falls nötig, ergänzende Untersuchungen durchgeführt. Während der Behandlung sind regelmässige Verlaufskontrollen sinnvoll, um Wirkung, Nebenwirkungen und mögliche Wechselwirkungen zu erfassen. Gerade bei längerfristiger Anwendung gewinnen standardisierte Erhebungen zur Lebensqualität, Schmerzscores oder Schlafqualität an Bedeutung. Auf dieser Grundlage kann entschieden werden, ob die Therapie fortgeführt, angepasst oder beendet werden soll. Eine offene Kommunikation zwischen Patientin oder Patient, Ärztin oder Arzt und Apotheke trägt wesentlich dazu bei, die Behandlung sicher zu gestalten.

Zukunftsperspektiven der Cannabinoid-Forschung

Die Zukunft der Cannabinoid-Forschung könnte tiefgreifende Auswirkungen auf den medizinischen Sektor haben. Eine intensivere Untersuchung ihrer Eigenschaften kann zu Fortschritten in der personalisierten Medizin führen, besonders in der Neurologie und Onkologie. Synthetische Cannabinoide könnten individuelle Behandlungen durch präzise Steuerung physiologischer Effekte ermöglichen. Weiterhin sind Fortschritte in der genetischen Erforschung von Cannabisarten erwartbar, welche die Effizienz und das Sicherheitsprofil von therapeutischen Anwendungen optimieren können.

Aktuell konzentriert sich die Forschung unter anderem auf folgende Fragen: Welche Kombinationen aus verschiedenen Cannabinoiden und Terpenen sind für bestimmte Krankheitsbilder besonders wirksam (Stichwort „Entourage-Effekt“)? Wie lassen sich Cannabinoid-Therapien besser in bestehende Behandlungspfade integrieren, zum Beispiel in der Onkologie, Rheumatologie oder Palliativmedizin? Welche Patientengruppen profitieren am stärksten, und bei wem überwiegen mögliche Risiken? Für die Schweiz sind darüber hinaus gesundheitsökonomische Analysen bedeutsam, um die Rolle von Cannabinoiden im Versorgungssystem und in der Kostenübernahme einzuordnen. Ergebnisse aus laufenden Studien fliessen schrittweise in Empfehlungen und Leitlinien ein, sodass Behandelnde ihre Entscheidungen zunehmend auf robuste Daten stützen können.

Patientenperspektive und interprofessionelle Zusammenarbeit

Für viele Betroffene steht bei einer Cannabinoid-Therapie nicht allein die Reduktion einzelner Symptome im Vordergrund, sondern eine spürbare Verbesserung des Alltags. Dazu zählen erholsamer Schlaf, mehr Selbstständigkeit im Haushalt, bessere Bewältigung beruflicher oder familiärer Aufgaben und eine insgesamt höhere Lebensqualität. Ein realistisches Erwartungsmanagement zu Beginn der Therapie hilft, Frustration zu vermeiden und Fortschritte sachlich einzuordnen.

Wesentlich ist ausserdem die enge Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Berufsgruppen: Hausärztinnen und Hausärzte, Fachärztinnen und Fachärzte, Pflegefachpersonen, Apothekerinnen und Apotheker sowie, je nach Situation, psychosoziale Dienste. Sie alle tragen dazu bei, eine Cannabinoid-Therapie sinnvoll in ein umfassendes Behandlungskonzept einzubetten. In der Schweiz entstehen zunehmend interdisziplinäre Netzwerke, die Erfahrung mit medizinischem Cannabis bündeln und Patientinnen und Patienten Orientierung bieten. Transparente Information, dokumentierte Behandlungsziele und regelmässige gemeinsame Evaluation sind dabei zentrale Elemente.

Häufig gestellte Fragen

Wie wirken Cannabinoide im menschlichen Körper?

Cannabinoide entfalten ihre Wirkung hauptsächlich über das Endocannabinoid-System. Dieses besteht aus körpereigenen Botenstoffen (Endocannabinoiden) und Rezeptoren, vor allem CB1 im Nervensystem und CB2 im Immunsystem. Pflanzliche oder synthetische Cannabinoide können an diese Rezeptoren binden und dadurch Prozesse wie Schmerzempfinden, Appetit, Stimmung, Übelkeit und Schlaf modulieren. THC wirkt vor allem an CB1-Rezeptoren und kann daher sowohl Schmerz lindern als auch die Wahrnehmung verändern. CBD beeinflusst verschiedene Signalwege, ohne berauschend zu wirken, und wird unter anderem wegen seiner entzündungshemmenden und krampflösenden Eigenschaften eingesetzt.

Worin unterscheiden sich THC und CBD bei der medizinischen Anwendung?

THC (Tetrahydrocannabinol) ist der psychoaktive Hauptwirkstoff der Cannabispflanze und kann unter anderem Schmerzen, Übelkeit und Muskelspastik lindern, gleichzeitig aber auch zu Müdigkeit oder veränderter Wahrnehmung führen. CBD (Cannabidiol) wirkt nicht berauschend und wird vor allem bei bestimmten Epilepsieformen, Entzündungen, Angst- und Schlafstörungen untersucht. In der medizinischen Praxis in der Schweiz werden häufig Präparate eingesetzt, die beide Stoffe in unterschiedlichen Verhältnissen enthalten, um die Vorteile zu kombinieren und mögliche unerwünschte Wirkungen von THC durch CBD teilweise abzumildern. Die konkrete Auswahl und Dosierung erfolgt individuell und unter ärztlicher Aufsicht.

Sind Cannabinoide in der Schweiz legal und wie erhalte ich ein Präparat?

In der Schweiz ist der Umgang mit Cannabinoiden gesetzlich klar geregelt. THC-haltige Präparate mit berauschender Wirkung gelten grundsätzlich als Betäubungsmittel und sind verschreibungspflichtig. Für bestimmte Arzneimittel, wie Dronabinol, sind je nach Situation Bewilligungen oder spezielle ärztliche Verordnungen erforderlich. Cannabis mit weniger als 1 % THC darf angebaut werden, unterliegt jedoch je nach Produktkategorie unterschiedlichen Vorschriften. Wer eine medizinische Cannabinoid-Therapie wünscht, sollte sich an eine Ärztin oder einen Arzt wenden, der die Indikation prüft, geeignete Präparate auswählt und die Abgabe über eine entsprechende Apotheke organisiert.

Für welche Erkrankungen kommen Cannabinoide häufig zum Einsatz?

Cannabinoide werden vor allem als Zusatztherapie eingesetzt, wenn etablierte Behandlungen nicht ausreichend wirksam sind oder schlecht vertragen werden. Häufige Einsatzgebiete sind chronische neuropathische Schmerzen, Muskelspastik bei Multipler Sklerose, Appetitlosigkeit und Übelkeit im Rahmen von Krebserkrankungen sowie bestimmte schwere Epilepsieformen. In Einzelfällen werden sie auch bei anderen chronischen Schmerzzuständen oder Schlafproblemen diskutiert. Ob eine Cannabinoid-Therapie sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation, bestehenden Vorerkrankungen und der bisherigen Medikation ab und sollte immer gemeinsam mit einer fachkundigen Ärztin oder einem Arzt beurteilt werden.

Quellen

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