Cannabis-Kriminalität und Statistik in der Schweiz: aktueller Überblick und Einordnung
Cannabis ist in der Schweiz die mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Substanz – und entsprechend stark in der Kriminalstatistik vertreten. Wer sich mit dem Thema Cannabis-Kriminalität beschäftigt, steht oft vor vielen Detailfragen: Wie hoch ist der Konsum in der Bevölkerung? Wie viele Straftaten werden tatsächlich registriert? Welche Altersgruppen sind besonders betroffen – und wie entwickelt sich die Situation über die letzten Jahre? Dieser Beitrag führt Schritt für Schritt durch den rechtlichen Rahmen, die wichtigsten Kennzahlen und Trends sowie die aktuellen Präventionsansätze. Er richtet sich an Patientinnen und Patienten, Angehörige, Fachpersonen sowie alle, die Cannabis-Konsum und Cannabis-Kriminalität in der Schweiz faktenbasiert einordnen möchten.
Einleitung zur Cannabis-Kriminalität und Statistik
Der Umgang mit Cannabis ist ein vielschichtiges Thema, das sowohl in rechtlichen, gesundheitlichen als auch gesellschaftlichen Kontexten von grosser Relevanz ist. Spezifisch in der Schweiz, wo Cannabis weiterhin als illegale Substanz gilt, begleitet durch strikte gesetzliche Regelungen. Innerhalb dieser gesetzlichen Rahmenbedingungen entfaltet sich ein komplexes Bild, das die Bereiche Konsum und Kriminalität betrifft. In diesem Beitrag wird detailliert auf die aktuellen Statistiken hinsichtlich der Cannabis-Kriminalität eingegangen, um ein umfassendes Verständnis dieser Thematik in der Schweiz zu schaffen.
Um die verfügbaren Zahlen sinnvoll einzuordnen, ist es hilfreich, zwischen verschiedenen Ebenen zu unterscheiden: einerseits dem reinen Konsum von Cannabis in der Bevölkerung, andererseits den polizeilich registrierten Verstössen und der justiziellen Bearbeitung dieser Fälle. Nicht jede Person, die Cannabis konsumiert, erscheint automatisch in der Kriminalstatistik; umgekehrt sagt eine Strafanzeige wenig über das individuelle Konsummuster aus. Dieser Beitrag beleuchtet daher sowohl die epidemiologischen Daten (Konsumerfassung in Umfragen) als auch die polizeiliche Statistik zu Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz (BetmG). Ergänzend werden Einflüsse wie Prävention, gesellschaftliche Haltungen und laufende Pilotprojekte zur regulierten Abgabe von Cannabis beschrieben.
Regulierung von Cannabis und rechtlicher Rahmen
Cannabis ist in der Schweiz nach dem Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und psychotropen Stoffe klassifiziert, was seinen Konsum und Vertrieb strikten gesetzlichen Regelungen unterwirft. Diese Regulierung spiegelt sich in der Verteilung der Verstösse wider, die häufig im Besitz und Handel von Cannabis ihren Ursprung haben. Die gesetzlichen Vorgaben zielen darauf ab, den nicht-medizinischen Gebrauch zu kontrollieren und zu regulieren. Die rechtliche Landschaft ist geprägt von einem Diskurs, der zwischen restriktiven Kontrollmassnahmen und der Möglichkeit der Entkriminalisierung schwankt.
Im Detail bedeutet dies: Produktion, Handel und Besitz von Cannabis zu nicht-medizinischen Zwecken sind grundsätzlich verboten, es sei denn, sie erfolgen im Rahmen klar definierter Ausnahmen – etwa im Rahmen der bewilligten Pilotprojekte zur kontrollierten Abgabe oder bei medizinischer Verwendung unter ärztlicher Verantwortung. Der blosse Konsum ist zwar strafbar, wird aber in der Praxis häufig mit Ordnungsbussen oder Einstellungen in Bagatellfällen geahndet, insbesondere wenn es um sehr kleine Besitzmengen geht. Seit Anpassungen in der Erfassungspraxis werden gewisse geringfügige Mengen nicht mehr systematisch statistisch ausgewiesen, was die Interpretation längerer Zeitreihen erschwert. Wichtig ist auch die Unterscheidung zu Produkten mit geringem THC-Gehalt (z. B. CBD-Hanf mit weniger als 1 % THC), die in der Schweiz unter anderen rechtlichen Bestimmungen fallen und nicht automatisch als Betäubungsmittel gelten.
Rechtliche Einordnung: medizinischer versus nicht-medizinischer Gebrauch
Während der Freizeitkonsum von Cannabis weiterhin unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, hat sich der rechtliche Rahmen im Bereich der medizinischen Nutzung in den letzten Jahren schrittweise geöffnet. Ärztinnen und Ärzte können unter bestimmten Voraussetzungen Cannabisarzneimittel verordnen, wenn ein medizinischer Nutzen erwartet wird und andere Therapieoptionen ausgeschöpft oder unzureichend wirksam sind. Diese unterscheidet die Behörden klar vom nicht-medizinischen Konsum, der vor allem in der Kriminalstatistik sichtbar wird. Wer Statistiken zur Cannabis-Kriminalität betrachtet, sollte diese Differenzierung beachten: Die Zahlen bilden primär den Umgang mit illegalem Freizeitcannabis ab und sagen nur bedingt etwas über den expandierenden Bereich der regulierten, medizinischen Verwendung aus.
Aktuelle Konsumstatistiken
Die Schweiz zeichnet sich durch eine vielfältige demografische Gruppe von Konsumenten aus, wobei rund sieben Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren im Jahr 2022 angaben, Cannabis konsumiert zu haben. Diese Zahl verdeutlicht, dass Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Substanz in der Schweiz ist. Zudem zeigt sich, dass problematischer Cannabiskonsum vor allem bei der jüngeren Bevölkerung zwischen 15 und 24 Jahren häufiger auftritt, was auf spezifische Herausforderungen in der Prävention hinweist.
Die ausgewiesene Konsumrate von 7,6 % (15–64 Jahre) im Jahr 2022 bezieht sich in der Regel auf den Konsum innerhalb der letzten 12 Monate und wird über repräsentative Bevölkerungsbefragungen erhoben. Diese Methode ergänzt die Polizeistatistik, weil sie auch Personen erfasst, die nie mit Strafverfolgungsbehörden in Kontakt kommen. Die problematische Konsumrate (1,1 %) beschreibt jene Personen, deren Konsum mit anhaltenden Belastungen oder Einschränkungen einhergeht, etwa im sozialen, schulischen oder beruflichen Bereich. Besonders relevant ist der Blick auf die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen, in der Cannabiskonsum häufig mit weiteren Entwicklungsaufgaben wie Ausbildung, Berufseinstieg oder Loslösung vom Elternhaus zusammenfällt. Für Fachpersonen in der Prävention und Behandlung ist die Kombination aus hoher Verfügbarkeit, sozialer Akzeptanz in gewissen Milieus und dem Entwicklungsalter der Jugendlichen eine zentrale Ausgangslage für massgeschneiderte Angebote.
Statistik zu Straftaten im Zusammenhang mit Cannabis
Im Jahr 2023 wurden in der Schweiz rund 9'000 Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz aufgrund von Cannabiskonsum verzeichnet. Diese Verstösse beinhalten sowohl Fälle des reinen Konsums als auch des kombinierten Konsums mit anderen Substanzen. Zudem wurden Fälle des illegalen Handels von Cannabis weiterhin dokumentiert, wobei rund 1'700 Verstösse in Zusammenhang mit dem Handel standen. Obwohl kleinere Mengen an Cannabis nicht mehr statistisch erfasst werden, bleibt der reguläre Konsum, insbesondere bei Jugendlichen, ein zu diskutierendes Thema. Diese Zahlen spiegeln die Spannweite und Häufigkeit von Cannabis-bezogenen Straftaten wider.
Für die Interpretation der Deliktzahlen ist es wichtig zu wissen, dass polizeilich registrierte Verstösse nicht nur tatsächlichen Konsum dokumentieren, sondern auch die Kontrollintensität widerspiegeln. Regionale Unterschiede bei Polizeikontrollen, Schwerpunkteinsätzen oder administrativen Ressourcen können die Statistik beeinflussen, ohne dass sich der reale Konsum im gleichen Ausmass verändert. Die rund 1'700 registrierten Handel- und Vertriebsvorfälle stehen zudem für ein sehr heterogenes Spektrum – von kleineren Weitergaben im Bekanntenkreis bis zu organisierten Vertriebsstrukturen. Da kleine Mengen teils nicht mehr gesondert erfasst werden, ist die aktuelle Statistik tendenziell stärker von Fällen mit gewisser Relevanz geprägt. Für die öffentliche Diskussion bedeutet dies: Ein reiner Blick auf die absoluten Zahlen greift zu kurz; es braucht immer eine Einbettung in Kontrollpraxis, gesetzliche Änderungen und langfristige Trends.
Demografisches Profil der Konsumenten
Männer konsumieren häufiger Cannabis als Frauen in der Schweiz, unabhängig vom Alter. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede sind signifikant und betreffen sowohl gelegentlichen als auch regelmässigen Konsum. Interessanterweise reduzieren Personen im Alter zwischen 25 und 30 Jahren häufig ihren Konsum, während junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren einen höheren Konsum aufweisen. Diese Differenzierung im Konsumprofil bietet wichtige Einblicke, die für die Ausarbeitung gezielter Präventionsmassnahmen genutzt werden können.
Die höhere Konsumrate bei Männern lässt sich unter anderem mit unterschiedlichen sozialen Rollenbildern, Gruppennormen und Risikobereitschaft erklären. Jugendliche und junge Erwachsene probieren Cannabis häufig im Freundeskreis aus; Peer-Gruppen beeinflussen dabei sowohl Einstiegsalter als auch Konsumhäufigkeit. Mit zunehmendem Alter, insbesondere ab Mitte zwanzig, schränken viele Menschen ihren Konsum aus beruflichen, familiären oder gesundheitlichen Gründen ein. Diese natürliche Reduktion spiegelt sich auch in der Statistik wider. Wichtig ist: Das demografische Profil der Konsumenten deckt sich nicht automatisch mit dem Profil der Personen, die in der Kriminalstatistik erscheinen. Jüngere Männer sind wegen typischer Freizeit- und Ausgangssituationen, Polizeikontrollen im öffentlichen Raum und einem insgesamt höheren Konsumniveau überproportional in den Deliktzahlen vertreten, obwohl Cannabis auch in anderen Altersgruppen konsumiert wird.
Entwicklung und Trends in der Cannabis-Kriminalität
Die Trends in der Cannabis-Kriminalität zeigen eine zunehmende Sensibilisierung für die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Konsums. Der Rückgang der Behandlungsnachfrage für Cannabisprobleme seit 2020 deutet auf eine Veränderung der Konsummuster hin. Zugleich bleibt die Inanspruchnahme von Suchthilfediensten durch eigene Initiative oder durch behördliche Vermittlung ein wichtiger Aspekt in der Behandlung und Prävention von problematischem Konsum. Diese Entwicklungen eröffnen einen Dialog über die Möglichkeit, die rechtlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz anzupassen, um den gesundheitsorientierten Umgang mit der Substanz zu fördern.
Parallel dazu diskutieren Politik und Fachwelt, wie die Balance zwischen Repression, Schadensminderung und regulierten Angeboten aussehen kann. Der Rückgang der Behandlungsnachfrage ist nicht eindeutig zu interpretieren: Er kann auf veränderte Konsumformen, eine Verschiebung hin zu anderen Substanzen, eine bessere Selbstregulation oder auch auf Zugangshürden im Hilfesystem hinweisen. Gleichzeitig zeigt sich, dass die öffentliche Debatte über Cannabis zunehmend differenziert geführt wird – mit einer klaren Trennung zwischen medizinischem Einsatz, Pilotprojekten zur regulierten Abgabe und dem weiterhin illegalen Freizeitkonsum. Für die Kriminalpolitik bedeutet dies, dass polizeiliche und strafrechtliche Massnahmen stärker auf problematische Konstellationen fokussiert werden, während bei reinem Konsum vermehrt gesundheitsorientierte und beratende Angebote im Vordergrund stehen können.
Trends im gesellschaftlichen Umgang mit Cannabis
In der Schweizer Öffentlichkeit zeichnet sich seit einigen Jahren eine differenziertere Sicht auf Cannabis ab. Einerseits wird der Jugendschutz sehr ernst genommen, andererseits wächst das Interesse an regulierten Modellen und wissenschaftlich begleiteten Abgabeformen. Diese Verschiebung wirkt sich mittelbar auf die Kriminalstatistik aus: Wenn Konsum zunehmend als gesundheitliches und weniger als rein strafrechtliches Thema verstanden wird, gewinnen Aufklärung, Beratung und zielgerichtete Hilfsangebote an Bedeutung. Für Betroffene und Angehörige entsteht so ein Rahmen, in dem Fragen zu Konsum, Risiken und rechtlichen Folgen frühzeitig angesprochen werden können – bevor es zu strafrechtlich relevanten Situationen kommt.
Massnahmen und Initiativen zur Prävention
Die Schweizer Behörden bemühen sich, durch gezielte Präventionsmassnahmen und Frühinterventionsprogramme problematischen Cannabiskonsum zu reduzieren. Dazu gehört unter anderem die Unterstützung von Projekten wie Bildung und Gesundheitsnetzwerke, um die Sensibilisierung in Schulen zu fördern. Ebenfalls wichtig ist die Bereitstellung von Online-Ressourcen und Beratungsplattformen wie SafeZone, die einer breiten Bevölkerungsschicht den Zugang zu Informationen und Unterstützung ermöglichen. Diese Initiativen spielen eine Schlüsselrolle in der Reduktion der negativen Folgen des Cannabiskonsums.
Prävention findet in der Schweiz auf verschiedenen Ebenen statt: universell (z. B. Aufklärung in Schulen), selektiv (Angebote für Risikogruppen wie Jugendliche mit Schulproblemen) und indiziert (Frühintervention bei bereits auffälligem Konsum). Im Kontext der Cannabis-Kriminalität sind insbesondere jene Ansätze relevant, die Kontaktpunkte mit der Polizei oder anderen Behörden nutzen, um Beratung und Unterstützung anzubieten. So können beispielsweise jugendstrafrechtliche Verfahren mit Auflagen verbunden sein, an Beratungsangeboten teilzunehmen. Digitale Plattformen wie SafeZone ermöglichen es zudem, anonym Fragen zu stellen und erste Einschätzungen zum eigenen Konsum zu erhalten. Für Eltern, Lehrpersonen und andere Bezugspersonen sind solche Informationsangebote eine wichtige Grundlage, um Anzeichen problematischen Konsums zu erkennen und angemessen zu reagieren, ohne allein auf strafrechtliche Mechanismen zurückzugreifen.
Zukunftsaussichten: Pilotprojekte und Forschung
Die laufenden Pilotprojekte zur kontrollierten Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken sind ein wichtiger Schritt hin zur Entwicklung eines fundierten rechtlichen Rahmens. Mit Unterstützung von wissenschaftlichen Studien werden neue Ansätze entwickelt, um den gesellschaftlichen Umgang mit Cannabis zu bewerten und zu gestalten. Diese Forschungen könnten Einfluss auf zukünftige regulatorische Entscheidungen in Bezug auf Cannabis haben, um eine Balance zwischen Regulierung und liberaleren Konsummöglichkeiten zu finden.
Im Rahmen dieser Pilotprojekte wird unter anderem untersucht, wie sich ein regulierter Zugang auf Konsummuster, Gesundheit, Schwarzmarktstrukturen und kriminalstatistische Kennzahlen auswirkt. Da die Projekte klar begrenzt, behördlich bewilligt und wissenschaftlich begleitet sind, liefern sie eine einzigartige Datengrundlage im Schweizer Kontext. Für die Kriminalstatistik ist insbesondere interessant, ob und in welchem Ausmass sich Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz in den teilnehmenden Regionen langfristig verändern. Die Ergebnisse fliessen in politische Entscheidungsprozesse ein und tragen dazu bei, künftige Regelungen besser an Gesundheitszielen, Jugendschutz und gesellschaftlichen Realitäten auszurichten.
| Jahr | Konsumrate (15-64 Jährige) | Problematik Rate (15-64 Jährige) | Anzahl Verstösse |
|---|---|---|---|
| 2022 | 7.6% | 1.1% | 9'000 |
| 2023 | – | – | – |
Die Tabelle fasst zentrale Kennzahlen rund um Cannabis-Konsum und registrierte Verstösse in der Schweiz zusammen. Sichtbar wird, dass eine im internationalen Vergleich eher moderate, aber stabile Konsumrate einer relativ hohen Zahl von Verstössen gegenübersteht. Die problematische Konsumrate liegt deutlich unter der Gesamt-Konsumrate, was darauf hinweist, dass nur ein Teil der Konsumierenden anhaltende Schwierigkeiten entwickelt. Für das Jahr 2023 liegen zum Zeitpunkt der Aufbereitung dieses Überblicks noch keine konsolidierten Werte zu Konsum- und Problemraten vor; daher sind diese Felder als Platzhalter gekennzeichnet. Die Verstosszahlen 2022 machen ausserdem deutlich, dass die Kriminalstatistik stark vom Erfassungsmodus und der Kontrollpraxis abhängt: Werden kleinere Mengen weniger systematisch registriert, verschiebt sich der Fokus der Statistik auf schwerer wiegende Delikte, ohne dass dies zwangsläufig einen realen Rückgang des Konsums bedeutet.
Schlussfolgerung
Der Blick auf die Statistik zur Cannabis-Kriminalität zeigt, dass trotz eines hohen Konsums weiterhin ein klar definierter gesetzlicher Rahmen die Basis für die Regulierung bildet. Die Vielzahl an Konsumformen und die demografischen Unterschiede erfordern zielgerichtete Massnahmen zur Prävention und Behandlung. Mit der Entwicklung neuer Pilotprojekte und forschungsbasierter Ansätze ist die Schweiz auf einem Weg, der nicht nur die rechtliche Landschaft eines adaptiven und responsiven Regelwerks erweitert, sondern auch das öffentliche Bewusstsein für die zukunftsweisende Bedeutung von Cannabis in einem regulierten Umfeld schärft.
Für Betroffene, Angehörige und Fachpersonen bedeutet dies, dass sich das Feld dynamisch entwickelt. Wer Cannabis konsumiert oder mit Konsum im Umfeld konfrontiert ist, sollte sowohl die rechtlichen Vorgaben als auch die vorhandenen Unterstützungsangebote kennen. Die Kriminalstatistik liefert dabei wichtige Hinweise auf Belastungen für Justiz und Polizei, ersetzt aber nicht die individuelle Einschätzung im Einzelfall. Im Vordergrund steht zunehmend ein gesundheitsorientierter Ansatz, der Risiken ernst nimmt, gleichzeitig aber darauf verzichtet, Konsumierende pauschal zu stigmatisieren. Je besser Daten zu Konsum, Kriminalität, Prävention und medizinischer Nutzung zusammengedacht werden, desto zielgerichteter lassen sich Massnahmen im Schweizer Kontext gestalten.
Cannabis-Kriminalität, medizinische Nutzung und Orientierung im Versorgungssystem
Neben der rein strafrechtlichen Betrachtung rückt in der Schweiz zunehmend die Frage in den Fokus, wie sich der illegale Freizeitkonsum von der regulierten medizinischen Anwendung abgrenzen lässt. Für Patientinnen und Patienten, die sich für eine mögliche Cannabis-Therapie interessieren, ist es wichtig, rechtliche Rahmenbedingungen, Indikationen und Versorgungswege zu verstehen. Dadurch lassen sich unnötige rechtliche Risiken vermeiden, die im Zusammenhang mit selbstorganisiertem oder nicht ärztlich begleiteten Konsum entstehen können.
Wer unter chronischen Beschwerden leidet und Cannabis als Behandlungsoption prüft, steht häufig zwischen zwei Welten: Auf der einen Seite ein illegaler Markt mit unklarer Produktqualität und erheblichen rechtlichen Risiken, auf der anderen Seite regulierte medizinische Angebote, die über Fachpersonen und Apotheken zugänglich sind. Gerade vor dem Hintergrund der Cannabis-Kriminalität ist diese Unterscheidung zentral. Sie beeinflusst nicht nur die persönliche Sicherheit im Umgang mit der Substanz, sondern auch die Möglichkeit, Dosierung, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen fachlich fundiert zu besprechen. Orientierung bieten spezialisierte Informationsangebote, Vergleichsportale und Netzwerke von Partner-Apotheken, die sich mit medizinischem Cannabis im Schweizer Kontext auskennen.
Cannabis-Therapie
Erfahren Sie, unter welchen Voraussetzungen Cannabis in der Schweiz medizinisch eingesetzt werden kann, wie die rechtlichen Rahmenbedingungen aussehen und welche Schritte für eine ärztlich begleitete Therapie sinnvoll sind.
Info-/Vergleichsportal
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Allgemeine Fragen
Lesen Sie Antworten auf häufige Fragen zu Cannabis, medizinischer Nutzung, rechtlicher Situation und praktischen Abläufen im Schweizer Gesundheits- und Versorgungssystem.
Häufig gestellte Fragen
Wie wird Cannabiskonsum in der Schweiz statistisch erfasst?
In der Schweiz wird Cannabiskonsum vor allem über repräsentative Bevölkerungsbefragungen erfasst, die den Gebrauch innerhalb eines bestimmten Zeitraums (z. B. letzte 12 Monate) abbilden. Diese Umfragen werden von Fachstellen im Sucht- und Gesundheitsbereich durchgeführt und liefern Daten zur Häufigkeit und Verteilung des Konsums in verschiedenen Altersgruppen. Ergänzend dazu dokumentiert die Polizeiliche Kriminalstatistik Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz, die im Zusammenhang mit Cannabis stehen. Wichtig ist, diese beiden Datenquellen zu unterscheiden: Die Befragungen erfassen auch Personen, die nie mit der Polizei in Kontakt kommen, während die Kriminalstatistik primär registrierte Delikte wiedergibt und stark von der Kontrollpraxis beeinflusst ist.
Warum stimmen Konsumzahlen und Kriminalstatistik nicht immer überein?
Konsumzahlen und Kriminalstatistik beschreiben unterschiedliche Aspekte desselben Phänomens. Die Konsumzahlen basieren auf anonymen Befragungen und zeigen, wie verbreitet Cannabis tatsächlich in der Bevölkerung ist – unabhängig davon, ob es zu polizeilichen Kontakten kommt. Die Kriminalstatistik hingegen erfasst nur jene Situationen, in denen ein Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz registriert wurde. Faktoren wie Häufigkeit und Ort von Polizeikontrollen, gesetzliche Anpassungen oder Prioritäten der Strafverfolgung können die Deliktzahlen deutlich beeinflussen, ohne dass sich der reale Konsum im gleichen Ausmass verändert. Daher lassen sich beide Datentypen nicht direkt vergleichen, sondern sollten jeweils im eigenen Kontext interpretiert werden.
Welche Altersgruppen sind in der Cannabis-Kriminalität besonders sichtbar?
In der Kriminalstatistik sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene überproportional vertreten, insbesondere Männer zwischen 15 und Mitte 20. Dies hängt mit mehreren Faktoren zusammen: In dieser Lebensphase ist der Cannabiskonsum insgesamt häufiger, Freizeitaktivitäten finden oft im öffentlichen Raum statt und das Risiko, in Polizeikontrollen zu geraten, ist erhöht. Gleichzeitig probieren viele junge Menschen Substanzen aus und testen Grenzen aus. Mit zunehmendem Alter reduziert ein grosser Teil der Konsumierenden ihren Gebrauch, etwa aufgrund beruflicher oder familiärer Verpflichtungen. Diese natürliche Konsumreduktion spiegelt sich in der Kriminalstatistik wider, obwohl Cannabis auch in älteren Altersgruppen konsumiert wird.
Wie wirkt sich der rechtliche Status von Cannabis auf die Statistik aus?
Da Cannabis in der Schweiz nach wie vor als illegale Substanz eingestuft ist, fliessen Konsum, Besitz und Handel – sofern sie festgestellt werden – in die Statistik zu Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz ein. Änderungen im rechtlichen Rahmen, etwa bezüglich der Erfassung kleiner Mengen oder im Umgang mit Ordnungsbussen, können die Zahl der registrierten Delikte beeinflussen. Wenn bestimmte Bagatellfälle weniger systematisch erfasst oder anders sanktioniert werden, kann dies zu einem Rückgang in der Statistik führen, ohne dass sich der reale Konsum massgeblich verändert. Zugleich schaffen klar definierte Ausnahmen, wie etwa medizinische Anwendungen oder Pilotprojekte, Bereiche, in denen der Umgang mit Cannabis nicht als Straftat gewertet wird, was sich ebenfalls auf die Zahlen auswirken kann.
Welche Rolle spielt Prävention im Umgang mit Cannabis-Kriminalität?
Prävention zielt darauf ab, riskanten und problematischen Cannabiskonsum möglichst früh zu erkennen und zu reduzieren. Sie ergänzt strafrechtliche Massnahmen, indem sie Informationen bereitstellt, Kompetenzen stärkt und bei Bedarf den Zugang zu Beratung und Behandlung erleichtert. In der Schweiz kommen dabei schulische Programme, regionale Suchtfachstellen, Online-Beratungsangebote und spezifische Frühinterventionsprojekte zum Einsatz. Im Kontext der Cannabis-Kriminalität ist wichtig, dass Begegnungen mit Behörden – etwa im Rahmen von Jugendstrafverfahren – auch als Chance genutzt werden, um Betroffene für Hilfsangebote zu sensibilisieren. So kann verhindert werden, dass sich einmalige Regelverstösse zu verfestigten Mustern entwickeln.
Wie lassen sich medizinische Cannabis-Anwendungen von illegalem Konsum unterscheiden?
Medizinische Cannabis-Anwendungen erfolgen in der Schweiz unter ärztlicher Verantwortung und innerhalb eines klar geregelten rechtlichen Rahmens. Sie setzen eine medizinische Indikation, eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung und ein fachlich begleitetes Behandlungskonzept voraus. Die Abgabe erfolgt über Apotheken, die entsprechende Präparate führen und zu Anwendung und Handhabung beraten können. Illegaler Konsum hingegen findet ausserhalb dieses Systems statt, nutzt häufig Produkte unbekannter Herkunft und Dosierung und ist mit strafrechtlichen Risiken verbunden. Für Patientinnen und Patienten, die Cannabis als Therapieoption prüfen, ist es daher wichtig, sich frühzeitig medizinisch beraten zu lassen, anstatt eigenständig auf illegale Angebote zurückzugreifen.